verzeichnet
Themenkomlex: Unser Selbstverständnis: Verlust, Verzicht, Verlangen, Versuch
Was wir alle ganz persönlich in der Zeit des inzwischen einjährigen Lockdowns vermissen, was verlorengegangen ist, was fehlt, wonach wir uns sehnen, oder auch, was wir vollkommen neu entdeckt und erfahren haben, stellt am Ende ein weiteres Kapitel der aktuellen Situation um die Pandemie dar.
Diesen individuelleren Aspekt aus künstlerischer Sicht zu beleuchten, ist vielleicht eine sinnstiftende und wegweisende Alternative zu der allgemeinen, mehr oder weniger exponierten Verzweiflung angesichts einer global kritischen Situation.
Mit diesem Kapitel wollen wir unsere Ausstellung „verzeichnet“, die aller Voraussicht nach Mitte Juni 2021 in der Galerie FOE 156 eröffnet wird, aktuell erweitern.
Dieser Themenblock wird ungerahmter, unmittelbarer Teil der Ausstellung werden.
verzeichnet
Themenkomplex: Der Rückzug in die Privatsphäre
Unser Privatbereich wurde in den letzten Monaten zum Ruhe- und Schutzraum (Martin Mayer: Liegende), wie auch zum Ort der Angst und des persönlichen Schmerzes.
Anna Frydmans Arbeiten zur „Kleinzeit“ greifen den Aspekt des Rückzugs als Superlativ auf. Wie in der Zeichnung Martin Kargrubers (Stammhaus) besinnt man sich zurück auf Familie und Herkunft.
Sibylle Raths „Leibesübungen“ zeigen auf, wie anstrengend es tatsächlich ist, sich zu beschränken.
Eindringlich erzählt Rose Stach in ihrer Kreidezeichnung „Rentnerin“ vom Tod in Corona-Zeiten und der medizinisch-technischen Abfertigung des Sterbens.
„Blindlings“ (Elisabeth Mehrl) löste sich schlagartig vieles auf, worauf wir uns verlassen hatten.
Martin Mayer
Liegende
Lithografie, 70 x 50 cm
1969
Sybille Rath
Leibesübungen I
Öl auf Holz, 40 × 30 cm
2020
Sybille Rath
Leibesübungen II
Öl auf Holz, 40 × 30 cm
2020
Martin Kargruber
Stammhaus
Bleistift, Papier, 21,5 x 31 cm
2019
Anna Frydman
serie kleinzeit V(Gegenstände)
Filzstift auf Papier, 15 x 21 cm, wvz 89
2020
Anna Frydman
serie kleinzeit VI (Gegenstände)
Filzstift auf Papier, 15 x 21 cm, wvz 94
2020
Elisabeth Mehrl
Ohne Titel
Acryl und Farbstift auf Papier, 40 x 30 cm (Blattgröße), 50 x 40 (gerahmt)
2016
Elisabeth Mehrl
blindlings
Acryl und Farbstift auf Papier, 40 x 30 cm (Blattgröße), 50 x 40 (gerahmt)
2017
Rose Stach
Rentnerin/10:15 Uhr I
Ölpastell-Kreide auf Lana Künstler-Zeichenpapier„Dessin“ 150 g/qm,
29,7 x 21 cm / 40 x 30 cm mit Rahmen
2020
Rose Stach
Rentnerin/10:15 Uhr II
Ölpastell-Kreide auf Lana Künstler-Zeichenpapier„Dessin“ 150 g/qm
29,7 x 21 cm / 40 x 30 cm mit Rahmen
2020
verzeichnet
Themenkomplex: Gesellschaft im kritischen Wandel
Eine gesellschaftliche Wende, eine Drehung, kann inzwischen wohl festgehalten werden. Sie kann ein Stück weit nach oben führen, wie in Michael Krauses „Spiegeltreppe“, eine extreme Verdrehung bedeuten (Ulla Reiter: Vertigo) oder den Zusammenschluss von Löwen und Bären hervorbringen.
Der Wut beim angeschlagenen Bürger, wie in Peter Engels „Pension Meyer“ aufgezeichnet, angesichts der Kontrolle und dem Druck durch die Vorgaben von „Soll und Haben“ (Anton Petz), folgt oft später eine dem Titel der Farb-Zeichnung Dietmar Spörls verwandte Frage: „Vielleicht hat es Durst?“.
Am Ende scheint unsere Gesellschaft ein gebrochenes Herz zu verzeichnen, ein Herz wie das auf dem Karton von Gotlind Timmermanns von 2020.
Michael Krause
Spiegeltreppe
Spiegelglas, 60 x 45 x 5 cm
2020
Ulla Reiter
DUETT
Zeichenkohle auf Papier, 29,7 x 21 cm
2020
Ulla Reiter
VERTIGO
Zeichenkohle auf Papier, 25 x 25 cm
2020
Peter Engel
Pension Meyer
Mischtechnik, 21 x 14,8 cm
2020
Anton Petz
Soll und Haben I
Tusche auf Papier, 28,7 x 44 cm (Rahmengröße 42 x 52 cm)
2020
Anton Petz
Soll und Haben II
Tusche auf Papier, 28,7 x 44 cm (Rahmengröße 42 x 52 cm)
2020
Dietmar Spörl
VIELLEICHT HAT ES DURST ?
Acryl und Bleistift auf Papier, 80 cm x 60 cm
2019
Gotlind Timmermanns
Herz
Mischtechnik auf Karton, Sgrafitto, 50 x 40 cm
2020
verzeichnet
Themenkomplex: Politische Unruhen und Gegenwehr
Statt eines idyllischen Wandelns im Schlossgarten offenbart sich, etwa nach den jüngsten Randalen in Stuttgart, die chaotische Lücke im viralen System.
Als Folge mutwilliger Zerstörung gerät der Blick ins Leere, wird zur dokumentierten Schusswunde (Eva Ruhland).
Auch bei Stefanie Unruh werden Schüsse abgegeben, diesmal aber von einer mit Niqab verschleierten Dame vor einem sich wiederholenden Tapetenmuster (Linien 7). Andreas Zingerle stellt wortlos und zögernd die Frage nach der Möglichkeit eines Portraits, eines Profils von Terroristen.
Weiterhin lotet Boris Maximowitz` “#blackfaced“ eine der äußersten, undeutlichen Grenzen von Rassismus aus. Racial Profiling wird hier wörtlich genommen: Maximowitz drückt sein schwarz gefärbtes Gesicht auf dem weißen Papier ab.
Alles in allem sind es schwere Blöcke, die politisch bewegt werden müssen (Toni Stegmayer).
Esther Glücks nie geschriebene Briefe an Alice Weidel vom AfD-Vorstand sind doch hundertfach geschrieben und wieder ausradiert, eine Visualisierung der Verzweiflung und Sprachlosigkeit angesichts doppelzüngiger Rede- und Vorgehensweisen und rechtspopulistischer Inbesitznahme.
Mit gemischten Gefühlen müssen wir Rechtsradikalismus, linken, rechten und religiösen Terror, schwierige Genderfragen und - wie ehedem - Rassismus verzeichnen.
Eva Ruhland
Schlossgarten
Aquarell, Kohle, Bleistift, 29,7 × 42 cm
2020
Stefanie Unruh
Linien 7
Siebdruck, Auflage, 60 x 80 cm mit Rahmen
2010/2014
Stefanie Unruh
Linien 3
Tusche auf Papier, gerahmt 80 x 60 cm
2010
Andreas Zingerle
O. T. (1)
Zeichenstift – Papier, 40 x 30 cm
2017
Andreas Zingerle
O. T. (3)
Zeichenstift – Papier, 40 x 30 cm
2017
Toni Stegmayer
o. T. 7M
Tusche auf Papier, 83,5 x 59,5 cm
2016
Toni Stegmayer
o. T. 3M
Tusche auf Papier, 83,5 x 59,5 cm
2016
Boris Maximowitz
#blackfaced
Pigment-Fett Körperdruck auf Papier, 40 x 90 cm, gerahmt
2018
Esther Glück
Briefe an Alice Weidel, nie geschrieben (1)
Graphit und Radiergummi auf Papier, 45 x 60 x 3 cm
2020
Esther Glück
Briefe an Alice Weidel, nie geschrieben (2)
Graphit und Radiergummi auf Papier, 45 x 60 x 3 cm
2020
verzeichnet
Themenkomplex: Technik im Wandel
Technische und technisch-biologische Möglichkeiten entwickeln sich rasant fort.
Thomas Breitenfelds „Automatismus“ wirkt wie ein dreidimensionales Lochkartenprogramm zur unendlichen Verfielfältigung.
Christine Otts Code, der eine menschliche Sprache ersetzt, Bernhard Pauls „modus paper“ und Christian Heß` “Odyssee“, die an Mikroskopaufnahmen und an künstliche Zellteilung erinnern, stehen hier als Synonym für den technischen Kommunikations- und Reproduktionswandel.
Thomas Breitenfeld
Automatismus
Eiche\Gips, 60 x 40 x 15 cm
2013
Christine Ott
KON.X.20.016
Tusche auf Papier, geschnitten, 72 x 72 x 3 cm
2020
Bernhard Paul
modus paper 1
Acryl auf Papier, 40 × 30 cm
2020
Bernhard Paul
modus paper 2
Acryl auf Papier, 40 × 30 cm
2020
Christian Heß
Odyssee 9
Tusche auf Bütten, 76 x 55 cm
2018
Christian Heß
Odyssee 12
Tusche auf Bütten, 76 x 55 cm
2018
verzeichnet
Themenkomplex: Natur zwischen Wissenschaft und Utopie
Wie Bakterien unter einem Mikroskop schwirren kleinste Teilchen auf den Tuschezeichnungen aus dem Jahr 2020 (Patricija Gilyte). Ist es das Virus, das uns alle seit Monaten außer Atem hält?
Eine Struktur, die zerfällt und zerfließt (Monika Humm), nicht mehr erfassbar ist (Peter Pohl), ähnlich dem schmelzenden Gletscher von Eva Ruhland? Wird Natur zur Utopie werden?
Laut Tatjana Utz ist sie das bereits: Eine reale Utopie.
Patricija Gilyte
Wie die Eichen über den Norden herrschten
Tuschezeichnungen auf Papier, gezeichnet mit Tannennadeln
gerahmt / Museumsglas 70 x 50 cm (Maße ohne Rahmen)
2019-2020
Patricija Gilyte
In Schrittgeschwindigkeit fliegen
Tuschezeichnungen auf Papier, gezeichnet mit Tannennadeln
gerahmt / Museumsglas 65 x 50 cm (Maße ohne Rahmen)
2019-2020
Monika Humm
Connected 7.7
Acryl auf Papier, 25 x 35 cm, Rahmen 32 x 42 x 3 cm
2016
Monika Humm
Connected 7.8
Acryl auf Papier, 25 x 35 cm, Rahmen 32 x 42 x 3 cm
2016
Peter Pohl
ohne Titel (Nr. 1)
Print auf Papier, 40 × 40 x 5 cm, mit weißem Rahmen
2020
Peter Pohl
ohne Titel (Nr. 2)
Print auf Papier, 40 × 40 x 5 cm, mit weißem Rahmen
2020
Eva Ruhland
Gletscherschmelze
Aquarell, Kohle, Bleistift, 29,7 × 42 cm
2020
Tatjana Utz
Reale Utopien (Blatt)
Bleistiftzeichnung, 40 x 29,5 cm
2020
Tatjana Utz
Reale Utopien (Mohn)
Bleistiftzeichnung, 40 x 29,5 cm
2020
verzeichnet
Themenkomplex: Das Streben nach Erkenntnis
„Doch alle Lust will Ewigkeit“ (Karin Welponer)...wir streben nach Unsterblichkeit. Es scheint die große Sehnsucht des Menschen zu sein.
Selbst der flüchtige Moment möchte im Fotoordner festgehalten und archiviert werden (Nausikaa Hacker: Flüchtige Stunde), auch in einer wie durch ein Schlüsselloch wahrgenommenen, gepixelten Welt (Almut Wöhrle-Russ: Weltansicht).
Und doch, angesichts zerfließender Strukturen (Karina Küffner: untitled), wünscht man sich einen schöneren Ort danach (Dietmar Spörl: AAAAHH, der Himmel ist auch leer).
Bestimmt wird dieser vielleicht aber schon durch ganz neue Götter
(Paul Valentin: Queen of Wands).
Karin Welponer
Doch alle Lust will Ewigkeit I
Kohle auf Papier, 70 x 50 cm
2012
Nausikaa Hacker
Flüchtige Stunde (Differenzprojekt/Metamorphosen)
Fotos, Text, Hebelmechanik, MDF, 9 cm x 28 cm x 20 cm (ohne Sockel)
2002
Almut Wöhrle-Russ
Weltansicht I
Tusche u. Bleistift auf Papier, 31 x 30 cm
2020
Almut Wöhrle-Russ
Weltansicht III
Tusche u. Bleistift auf Papier, 31 x 30 cm
2020
Karina Küffner
untitled
Öl, Acryl auf Leinwand, 42 x 32 cm
2019
Karina Küffner
untitled
Öl, Acryl auf Leinwand, 37 x 33 cm
2020
Dietmar Spörl
AAAAAHH DER HIMMEL IST AUCH LEER
Acryl und Bleistift auf Papier, 80 cm x 60 cm
2019
Paul Valentin
10 of Wands
Tinte auf Papier, Plexiglas, ABS-Polymere, 45 x 35 cm (gerahmt)
2020
Paul Valentin
Queen of Wands
Tinte auf Papier, Plexiglas, ABS-Polymere, 45 x 35 cm (gerahmt)
2020
verzeichnet
Themenkomplex: Nachklänge – Der Blick zurück
Blicken wir in ein paar Jahrzehnten zurück.
Wir werden vermutlich folgendes verbuchen können: Es wird nur noch einen Nachklang geben, denken wir an die großen Gletscher wie Trafoier oder Allalin (Frauke Sohn).
Die christliche Religion ist final verwässert, unscharf, ebenso wie die Frage nach der Verantwortung, obgleich mit immerwährend gefalteten Händen (Angelika Högerl: Wien, sankt stephan, verschoben-gefaltet).
Die Behauptung des Monuments ist unsicher geworden (Alois Öllinger: Granit), wir kratzen Linien in die Geschichte (Eugen Wilfried Müller: falsariga).
Wird für die Kunst hinter einer glatten weißen Fläche noch Platz, zumindest für die „Spuren darunter“ (Susan Stadler) bleiben?
Frauke Sohn
Nachklang / Allalingletscher
Din A4, weißer Stift auf schwarzem Papier
2020
Frauke Sohn
Nachklang / Trafoiergletscher
Din A4, weißer Stift auf schwarzem Papier
2020
Angelika Högerl
großes gewölbe
Zeichnung auf Gardinenstoff(3-fach), 60 x 42 cm (Rahmen: 80 x 60 cm)
2020
Angelika Högerl
wien, sankt stephan, verschoben–gefaltet
Zeichnung auf Gazéstoff, 42 x 35 cm (Rahmen: 80 x 60 cm)
2020
Alois Öllinger
Granit 1
Kohle auf Bütten, 48 x 36 cm
2020
Alois Öllinger
Granit 2
Kohle auf Bütten, 48 x 36 cm
2020
Eugen W. Müller
falsariga I
Ritzzeichnung auf Karton, Ölfarbe, 50 x 40 cm
Rahmengröße 60 x 50 cm
2018
Eugen W. Müller
falsariga II
Ritzzeichnung auf Karton, Ölfarbe, 50 x 40 cm,
Rahmengröße 60 x 50 cm
2018
Susan Stadler
Spuren darunter, Nr. 5 (aus der Serie Linien)
Ölfarbe auf Holz, 60 x 60 cm
2020
Susan Stadler
Spuren darunter, Nr. 4 (aus der Serie Linien)
Ölfarbe auf Holz, 60 x 60 cm
2020
verzeichnet
Themenkomplex: Selbstreflexion des künstlerischen Werkbegriffs
Aktuell stellen sich Künstler die Frage, wie die Zeit der Krisen zu behandeln ist.
Sollte man die Kunst an sich ganz „Praktisch“ (Felix Weinold) in einem Lager stapeln und einstweilen vergessen?
Wird sie noch in die Historie eingehen (Baldur Geipel: Epochen), ins Museum Einzug finden können und wollen (Thomas Sterna: Neoliberale Kathedralen), notwendig sein als Muster, Vorlage und Struktur (Manfred Mayerle), als Geschichtenerzählerin (Monika Schultes)?
Obliegt es nicht doch grundsätzlich dem Künstler, sich jeden neuen Tag neu und lange zu ver-zeichnen (Barbara Regner: faces), aus Systemen auszubrechen, offiziell ausgedehnt fehlzuschlagen, scheinbar irregeleitet irrezuleiten, zu verzerren und zu deformieren, fassungslos unerfasst zu bleiben?
Tatsächlich braucht die Kunst nicht nur einen langen Atem, sondern auch sehr lange Arme, vielleicht sogar längere als die Bäckerei von Peter Engel.
Felix Weinold
Praktisch 01
Mischtechnik auf Papier, 100 x 70 cm
2020
Felix Weinold
Praktisch 03
Mischtechnik und Collage auf Papier, 100 x 70 cm
2020
Baldur Geipel
Epochen
Zeichnung + Foto auf Papier, 42 x 30 cm, mit Rahmen 60 x 50 cm
2007 + 2020
Thomas Sterna
MMK / Frankfurt
aus der Serie: Neoliberale Kathedralen
Bleistift auf Papier, 30 x 40 cm
2020
Thomas Sterna
Pinakothek der Moderne / München
aus der Serie: Neoliberale Kathedralen
Bleistift auf Papier, 30 x 40 cm
2020
Manfred Mayerle
Im Ziebland (1)
Mischtechnik auf Bütten, gerahmt hinter Glas, 57 x 50 cm
2012 – 2013
Fotografie: Walter Bayer
Manfred Mayerle
Im Ziebland (2)
Mischtechnik auf Bütten, gerahmt hinter Glas, 57 x 50 cm
2012 – 2013
Fotografie: Walter Bayer
Monika M. Schultes
o. T. I (nach Lucas Cranach)
Mischtechnik auf Papier, 43 x 30,5 cm
2020
Monika M. Schultes
o. T. II (nach Lucas Cranach)
Mischtechnik auf Karton, 43,3 x 31 cm
2020
Barbara Regner
Faces 3
Tusche auf Papier, 42 x 29,7 cm
2020
Barbara Regner
Faces 1
Tusche auf Papier, 42 x 29,7 cm
2020
Peter Engel
Bäckerei mit langen Armen
Mischtechnik, 21 x 14,8 cm
2020